Was hat der Holocaust heute noch mit mir zu tun?

Die Oberstufenschüler des Graf – Zeppelin - Gymnasiums setzten sich im Hinblick auf den 27. Januar, dem „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, mit der deutschen Erinnerungskultur und dem richtigen Umgang mit dem Holocaust auseinander. Vorausgegangen war die jährliche Exkursion der gesamten Kursstufe 2 gemeinsam mit den Geschichtslehrern Frau Mohr, Frau Schnell, Frau Steurer und Herrn Orlowsky in die KZ-Gedenkstätte Dachau.

 

Kurzer Exkursionsbericht von Ann-Cathrin Maurer (K2)

Den Anfang machte das bekannte schmiedeeiserne Tor, welches mit der Losung „Arbeit macht frei“ versehen ist. Durch das Tor im sogenannten „Jour-Haus“ (siehe Bild) gelangt man auf den Apell-Platz, an dem die Häftlinge jeden Tag antreten mussten. Wenn jemand geflohen war, mussten alle Sträflinge Strafstehen, solange bis der Geflohene wiedergefunden war. Das kalte Wetter ließ uns nur schwach erahnen, wie es für die Lagerinsassen gewesen sein musste, bei Wind und Wetter und nur in dünnen Häftlingskleidern oft stunden- oder tagelang dort auszuharren.

Anschließend begaben wir uns in das Wirtschaftsgebäude, und begaben uns somit quasi auf den Weg, den auch die Häftlinge am Anfang gehen mussten. Nach der Ankunft durch das Tor kamen auch sie in dieses Gebäude, um die Personalien aufzunehmen. Anschließend wurden sie rasiert und bekamen die typischen gestreiften Kleider, die nicht gerade bequem waren und meist auch nicht passten. In diesem Gebäude wurden auch die meisten Strafen durchgeführt, wie Stockschläge oder das besonders grausame Pfahlhängen.

Weitere Stationen auf dem Rundgang waren unter anderem die Zellen für spezielle Gefangene (z.B. Georg Elser, der ein Attentat auf Hitler geplant hatte), die Krematorien und die Gaskammer und zum Abschluss noch eine rekonstruierte Baracke, in denen die Häftlinge lebten. Die Original-Baracken sind nicht mehr vorhanden, da das Lager nach seiner Befreiung als Flüchtlingslager für Heimatlose diente. Im Zuge dessen wurden sie aufgrund der notwendigen Sanierungsmaßnahmen komplett abgerissen.

Doch ist eine solche von der Schule durchgeführte Exkursion der richtige Umgang mit der Vergangenheit, die bereits mehr als 70 Jahre zurückliegt?

Gedanken zur Leitfrage von Maren Leber (K2)

Populistische Parteien erheben sich in großem Maße gegen eine fortdauernde Erinnerungskultur, in Person des AfD-Politikers Björn Höcke wurde dies im Januar 2017 besonders deutlich. Das in Berlin stehende Holocaust-Mahnmal betitelte er in einer Rede als „Denkmal der Schande“ (welt.de). Später revidierte er zwar seine Aussage und gab an, seine Äußerung auf das „Denkmal zur Erinnerung an eine Schande“ (welt.de) bezogen zu haben, viele schenkten ihm jedoch keinen Glauben.

Damit entfachte er nicht nur eine heftige Diskussion zum zeitgemäßen Umgang mit dem Holocaust, es wurde auch deutlich, dass jenes Thema sehr wohl aktuell ist. Allein mit einer Forderung, die Erinnerungskultur zu verändern, zeigte sich, dass das Thema in den Köpfen tief verankert ist. Für Populisten wie Höcke steht fest, dass die heutige Generation nichts mit den Geschehnissen von damals zu tun hat und sie damit nicht unnötig belastet werden sollte.

Wir meinen, dass gerade die intensive Beschäftigung mit der eigenen Geschichte unumgänglich ist, um einer Wiederholung in der Zukunft vorzubeugen! Deshalb waren wir uns im Kurs auch einig, dass die Exkursion in die KZ - Gedenkstätte Dachau notwendig und wichtig war. Eine bloße Beschäftigung mit dem Thema im Unterricht würde eindeutig nicht den Erkenntnisgewinn einer Exkursion ermöglichen. An das Ende unseres Rundgangs stellte unsere Referentin ein Zitat von Max Mannheimer, einem Holocaust-Überlebenden:

„Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“

Diesem Zitat können wir uns nur anschließen